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Ein gutes Mittel zum Zweck

18. 09. 2010, uli

Der Eingangsbereich rund um die Rezeption der Schmiede glänzte mit kahlen, weißen Wänden, bevor Maria Morschitzky Hand und Finger anlegte. Seit Donnerstag taped sie eine Figur nach der anderen – Menschen, die irgend etwas tun, abgeschaut von klitzekleinen Fotos. Maria stammt allerdings keineswegs aus der "Szene", sie erfuhr erst auf der Schmiede, dass es so etwas wie Tape Art gibt. Sie bekam von Rüdiger den Auftrag, den Eingang zu gestalten. Weil sie gern zeichnet, aber die Wände bei Ihrer gestalterischen Tätigkeit nicht langfristig "schmutzig" machen wollte, schnappte sie sich eine Rolle Klebeband und legte los... 

Du gehst hier nicht mehr weg, oder?

Nein. Tapen ist wie zeichnen, aber doch etwas ganz anderes. Ich finde es entspannend. Man ist ständig in Bewegung, reisst Tape ab, klebt, manchmal muss man etwas weiter weg gehen. Manchmal muss ich ein Stück Tape wieder weg nehmen und neu kleben. Aber nicht oft. Seltener, als ich mir dachte!

Obwohl Du das noch nie gemacht hast? 

Tape ist ein super Material. Ich kann es in alle Richtungen reissen, es lässt sich formen und wuzeln. Dicke Streifen, dünne Streifen. Ich habe auch heute erst erfahren, dass es Tape Art gibt. Mir taugt diese Kunst extrem. Im Februar bringt die Farm zwei Berliner Künstler nach Golling, die ein bisschen darüber berichten. Das werd ich mir auf jeden Fall anhören. 

Und wie überträgst Du die Proportionen so auf Anhieb auf die große Wand?

Nur nach Gefühl! Man sieht ja beim Tapen nicht genau, wie das Bild jetzt von der Ferne aussieht. Das ist das erste Mal, dass ich überhaupt in dieser Dimension arbeite. Ich zeichne sonst auf Papier. 

Was hat es denn mit Deinen Motiven auf sich?

Leute auf meinen Reisen, Straßensituationen. Ich war gerade im Westen der USA und habe viele Menschen fotografiert. Teilweise fanden mich Passanten ziemlich pietätlos, wenn ich jemanden fotografiert habe, der gerade in der Mülltonne wühlt. Aber ich wusste nicht, wie ich sonst zu meinem Motiv komme. Da bin ich auch ein bisschen im Zwiespalt, denn wenn ich die Leute frage, ist die Situation weg. Abgesehen davon, traue ich mich die Leute, die ich als Motiv haben will, eigentlich gar nicht zu fragen.

Hast Du sie zum Zeichnen fotografiert?

Ja, genau, für meine Ausstellung im Oktober. Ich zeichne sie ab und stelle sie unterschiedlich zusammen, setze sie miteinander in Verbindung. Ich zeichne Straßensituationen. Sobald man Menschen nebeneinander sieht, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, stellt man einen Zusammenhang her. Eigentlich müsste ich auch gerade meine Ausstellung vorbereiten, aber ich habe noch keine Bilder. Das stresst mich ein bisschen. 

Meinst Du, Du hast noch keine Fotos für den Flyer oder keine Bilder für Deine Ausstellung?

Ich habe noch keine Bilder für meine Ausstellung. Eines habe ich jetzt für den Flyer gemacht. Aber deswegen bin ich auch ohne Projekt auf die Schmiede gekommen, damit ich mich auf die Ausstellung konzentrieren kann. Aber ich habe mit dem Tapen sowieso mein perfektes Projekt gefunden! 

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